Als ich Campeche zum ersten Mal besuchte, war ich gerade auf meiner allerersten großen Rundreise durch Mexiko unterwegs. Das war 2009. Allein.

Und obwohl ich das Land schon kannte, fühlte sich diese Reise ein bisschen wie ein neues Kapitel an.

Campeche beeindruckte mich damals sofort. Die Stadt wirkt wie aus einer anderen Zeit: bunte Häuser, alte Stadtmauern und überall kleine Hinweise auf die Piratenvergangenheit.

Ein paar Jahre später kam ich zurück – und hatte wieder ein paar dieser typischen Reisegeschichten, die man erst im Nachhinein richtig lustig findet.

Campeche Pirat auf Parkbank
Blind Date mit einem Piraten auf einer Parkbank in Campeche

Der legendäre „Winterbus“ quer über Yucatán

Unsere Reise begann in Playa del Carmen. Von dort nahmen wir einen Nachtbus quer über die Halbinsel Yucatán nach Campeche. Ich nenne diesen Bus bis heute liebevoll den Winterbus.

Nicht etwa, weil er nur im Winter fährt – sondern weil die Klimaanlage im Bus ungefähr auf deutsche Januar-Temperaturen eingestellt war. Draußen herrschten über 30 Grad. Drinnen gefühlt minus zehn.

Wir waren natürlich überhaupt nicht vorbereitet und saßen dort in T-Shirts, während die Klimaanlage uns langsam aber sicher in kleine Eiszapfen verwandelte. Das Ergebnis: Eine schöne Erkältung für alle Beteiligten. Mein Reisetipp also:

In Mexiko gehört in jeden Bus eine Jacke oder Decke. Wirklich.

Hostal Pirata in Campeche
Hostal Pirata mit viel Piraten-Deko

4 Uhr morgens in Campeche

Ankunft in Campeche: 4 Uhr morgens. Eigentlich hätten wir erst zwischen sechs und sieben Uhr ankommen sollen. Natürlich waren zu dieser Uhrzeit alle Hostels geschlossen.

Also landeten wir erst einmal auf einer Parkbank am Zócalo, dem zentralen Platz der Stadt. Mit unseren Rucksäcken, müden Augen und einer guten Portion Humor. In unserem treuen Reisebegleiter – dem Lonely Planet Mexiko – entdeckten wir dann ein 24-Stunden-Café.

Gegen fünf Uhr morgens saßen wir also dort mit Sack und Pack und warteten darauf, dass endlich irgendwo ein Hostel aufmacht. Um acht Uhr konnten wir schließlich im Hostal Pirata einchecken. Passender hätte der Name für Campeche wohl kaum sein können.

Einblick in die bunte Stadt Campeche
Einblick in die bunte Stadt Campeche

Campeche – eine Stadt mit Piratenvergangenheit

Campeche gehört zu den schönsten Kolonialstädten Mexikos. Die Stadt liegt direkt am Golf von Mexiko und war früher ein wichtiger Handelshafen der spanischen Kolonialzeit. Genau deshalb wurde sie immer wieder von Piraten überfallen. Um sich zu schützen, errichteten die Bewohner eine massive Stadtmauer, die heute noch große Teile der Altstadt umschließt. Innerhalb dieser Mauern liegt eine der farbenfrohsten Städte Mexikos. Auf den Mauern kann man entlanggehen und den Ausblick auf die bunten Häuser genießen.

Pastellfarbene Häuser, kleine Plätze, Cafés und historische Gebäude prägen das Stadtbild. Seit 1999 gehört die Altstadt von Campeche sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Piratenschiff in Campeche
Piratenschiff in Campeche

Mit frischem Elan wollten wir dann die Stadt erkunden. Nur gab es ein kleines Problem. Wir hatten kein Geld. Die Bankautomaten schienen unsere Karten nicht besonders zu mögen. Mehrere Versuche später standen wir immer noch ratlos vor den Automaten. Ohne Bargeld reist es sich natürlich etwas schwierig.

Nach einem halben Vormittag voller Bankautomaten-Versuche hatten wir schließlich doch noch Erfolg.

Seitdem weiß ich: Immer ein kleines Bargeldpolster einplanen – besonders außerhalb der großen Touristenorte.

Stadterkundung in Campeche

Am nächsten Tag konnten wir endlich in Ruhe durch die Stadt schlendern. Auf unserem Programm standen:

  • die historische Stadtmauer
  • mehrere Baluartes (alte Verteidigungsanlagen)
  • das Mayamuseum
  • und natürlich die bunten Straßen der Altstadt

Campeche wirkt fast wie eine Filmkulisse. Überall entdeckt man kleine Details – kunstvolle Türen, farbige Fensterläden und alte Gebäude mit Geschichte.

Das Piratenschiff – fast ein Abenteuer

Ein besonderes Highlight sollte eigentlich eine Fahrt mit dem Piratenschiff werden. Nachdem wir uns durchgefragt hatten und den richtigen Weg gefunden hatten, standen wir schließlich am Hafen.

Doch dann kam die Ernüchterung. Das Schiff fährt nur, wenn sich mindestens 20 Personen finden.

Mit uns warteten dort allerdings nur eine ältere Dame und ihr Enkel. Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Abfahrt war also eher gering.

Manchmal laufen Reisepläne eben anders als gedacht.

Was du rund um Campeche noch entdecken kannst

Auch wenn wir selbst „nur“ die Stadt Campeche erkundet haben, lohnt es sich absolut, im Bundesstaat noch ein bisschen weiterzuschauen.

Campeche gehört nämlich zu den Regionen Mexikos, die noch nicht überlaufen sind – und genau deshalb steckt hier so viel echtes, ursprüngliches Mexiko.

Wenn du etwas mehr Zeit hast, solltest du dir folgende Orte unbedingt näher anschauen:

Calakmul – Verlorene Maya-Stadt im Dschungel

Mitten im dichten Regenwald versteckt sich eine der größten Maya-Stätten überhaupt: Calakmul. Und genau das macht diesen Ort so besonders.

  • Keine Menschenmassen.
  • Keine Souvenirshops.
  • Nur du, der Dschungel – und Geschichte, die man förmlich spüren kann.

Wenn du die Pyramiden erklimmst, schaust du nicht auf eine Stadt… sondern auf ein endloses grünes Blättermeer.

Das ist kein klassischer Ausflug. Das ist ein echtes Abenteuer.

Edzná – Die unterschätzte Alternative

Nur etwa eine Stunde von Campeche entfernt liegt Edzná – eine Maya-Stätte, die oft im Schatten von Chichén Itzá steht. Und genau deshalb ist sie ein Geheimtipp. Die Anlage ist weitläufig, beeindruckend und vor allem: ruhig. Hier könnt ihr die Geschichte wirklich auf euch wirken lassen, ohne euch durch Menschenmengen schieben zu müssen.

Isla Aguada – Ruhe, Meer und Delfine

Wenn du nach der Stadt Lust auf Meer hast, aber ohne Massentourismus, dann ist Isla Aguada genau dein Ort.

Ein kleines Fischerdorf mit:

  • ruhigen Stränden
  • entspanntem Lebensrhythmus
  • und mit etwas Glück sogar Delfinen direkt vor der Küste

Hier geht es nicht um „sehen und abhaken“, sondern um ankommen und genießen.

Champotón – Mexiko ganz ursprünglich

Südlich von Campeche liegt Champotón, ein Ort, der sich noch sehr „mexikanisch“ anfühlt.

Keine Inszenierung. Keine großen Resorts. Dafür:

  • frischer Fisch direkt am Meer
  • einfache Restaurants
  • echte Begegnungen

Wenn du das Gefühl suchst, nicht nur zu reisen, sondern wirklich einzutauchen, dann bist du hier richtig.

Campeche – mehr als nur ein Zwischenstopp

Campeche ist nicht nur eine schöne Stadt für einen kurzen Aufenthalt. Es ist ein perfekter Ausgangspunkt für:

  • Geschichte
  • Natur
  • echte Begegnungen

Und genau das macht diese Region so besonders. Während viele Reisende nur durchfahren, liegt hier eine Chance: Mexiko einmal anders zu erleben. Ruhiger, ursprünglicher, echter.

Weiterreise Richtung Chiapas

Am Abend ging es weiter nach San Cristóbal de las Casas in Chiapas. Dieses Mal hatten wir keinen Winterbus. Sondern das Gegenteil.

In Mexiko gibt es offenbar nur zwei Klimaanlagen-Modi:

  • Eisschrank
  • oder komplett aus

Dieses Mal war es eher Kategorie „Sommerbus“.

Mit leicht angeschlagener Gesundheit, aber vielen neuen Eindrücken, ging unsere Reise weiter in die Berge.

Fazit – Campeche ist ein echtes Juwel

Campeche ist vielleicht kein klassischer Touristen-Hotspot – und genau das macht es so besonders. Die Stadt ist:

  • farbenfroh
  • entspannt
  • historisch
  • und unglaublich charmant

Wenn ihr eine Rundreise durch Yucatán plant, solltet ihr Campeche unbedingt einplanen. Für mich ist es einer dieser Orte, die man nicht wegen spektakulärer Highlights besucht – sondern wegen des Gefühls, das sie hinterlassen.