Reisen verändert uns.
Aber manchmal ist die wichtigste Reise nicht die in ein anderes Land.
Sondern die Reise zu uns selbst.
Was wird in der Schule vermittelt?
In der Schule habe ich sehr viel gelernt. Wie bewegen sich Amöben und was passierte zur Industrialisierung, Sinuskurven und Latein-Vokabeln, ja sogar das ganze Periodensystem der Elemente gehörte ebenfalls zum unabdingbaren Wissensschatz. Ich konnte die Maler des Blauen Reiters aufzählen, wusste wie schnell ein Gegenstand auf der Erde landet, wenn er die Masse x und aus der Höhe y gefallen lassen wird, paukte die Handballregeln und lernte Gedichte zu interpretieren und somit die Gefühle der heutigen großen Künstler (die ich persönlich nie kennengelernt habe) zu verstehen.
Wo lernt man sich selber kennen?
Aber was war mit meinen eigenen Gefühlen? Wo kommen sie her, wer oder was löst sie aus und wie kann ich damit umgehen?
Es ist einige Jahre her. Ich muss so 10 Jahre gewesen sein. Sicher die sogenannte Rubikon-Zeit.
Immer wieder formten sich die Fragen in meinem Kopf, „warum bin ich auf dieser Welt?“, „warum denke ich so wie ich denke?“ und „warum bin ich ICH?“.
Erst mit der Geburt meiner Tochter, fing ich an etliche Bücher zu lesen und mich mit mir und meinem eigenen inneren Kind auseinander zu setzen.
Ich wurde sensibler für meine Umwelt, hörte mehr auf mein Herz und versuchte meine Mitmenschen besser zu verstehen.
Die Bücher waren gut aber so richtig half mir das alles nicht weiter. Letztendlich begab ich mich vor einiger Zeit auf eine große Reise.
Die Reise zu mir selbst.
Ich ging auf große Reise – die Reise zu mir selbst
Als Touristikerin und leidenschaftliche Reisende, erwartete ich anfangs recht viel von dieser Reise. Wann geht der Flieger, wo landen wir, gibt es einen Transfer und wie sieht es aus mit der Verpflegung?
Als meine eigene Reiseberatung fehlten mir erstmalig die Antworten. Ich wusste weder genau wohin die Reise geht, noch wie es vor Ort aussieht.
Mein Reiseführer vor Ort war ein etwas das sich Persönlichkeitsentwicklungs-Seminar nannte. Ich war gespannt, hatte Erwartungen und Vorstellungen.
Schnell wurde mir bewusst. Auf dieser Reise läuft alles ein wenig anders.
Erst einmal musste ich lernen zu reisen
Zur Reise zu mir selbst sollte ich alleine anreisen.
Ich wählte den Zug als zuverlässiges und umweltfreundliches Verkehrsmittel.
Schließlich war es ja nicht weit, von mir zu meinem Innersten, da brauche ich nicht lang.
Wie immer kam ich gehetzt und gestresst im Bahnhof an.
Es war eine knappe Geschichte aber ich schaffte es auf den letzten Sprung.
Der Zug fuhr los und ich schaute nicht nach links und rechts.
Ich wollte etwas über mich selber lernen und das war das Ziel.
Alles andere blendete ich aus.
Er hielt auch mehrmals und gab mir die Chance auszusteigen, herumzuschauen, aber auch diese Angebote schlug ich aus, ich wollte ja ankommen.
Mein Zusammentreffen mit Günter
Nach langer Fahrtzeit war ich endlich da und in meiner kleinen aber feinen gemütlichen Unterkunft reichte man mir einen Begrüßungscocktail.
Dort wurde mir Günter vorgestellt. Er hockte schon auf der Couch und hatte offensichtlich bereits sieben dieser Cocktails getrunken.
Seine Augen blickten in verschiedene Richtungen, als er mich anstarrte.

Ich mochte ihn nicht.
Günter alias mein innerer Schweinehund
Günter war mein innerer Schweinehund, meine Blockade, der Taktangeber wonach mein ganzes Ich bisher handelte.
Er wollte mein Reisebuddy sein.
Ich wollte diese Reise nicht mit ihm verbringen.
Ich empfand sie als unheimlich wichtig, für mich, für mein Umfeld, für meine Zukunft.
Doch Günter hat mich bisher nur an diesem einen Punkt festgehalten.
Er war Schuld, dass sich nichts voran bewegte, dass kein Wachstum einsetzte, dass alles so blieb wie bisher.
Weil er ständig nur auf der Couch sitzt. Und Cocktails trinkt.
Was ist Wahnsinn?
Schon Einstein sagte: „Wahnsinn ist, wenn man etwas verändern möchte und immer nur dasselbe macht„.
So allmählich dämmerte es mir und ich verstand.
Mit Günter wollte ich ab sofort nichts mehr zu tun haben. Ich sorgte für eine Cocktail-Flatrate für ihn und schloss das Hotelzimmer ab.
Hier hatte er es gut.
Hier durfte er SEIN.
Endlich beginnt die richtige Reise
Also stand ich mit Sack und Pack wieder am Bahnhof.
Keine Ahnung wohin, aber irgendwo und irgendwann musste ich ja mal anfangen.
Vielleicht war genau jetzt der richtige Zeitpunkt.
Ohne an den Plan zu schauen, nahm ich den nächsten Zug, der mich zur nächsten Station bringen sollte. Die einzelnen Stationen waren Punkte in meinem Leben.
Mein Reiseführer hieß Vertrauen.
So verbrachte ich den ganzen Tag, die ganze Woche und den ganzen Monat. Station für Station. Aussteigen, umschauen, zurückblicken und erkennen. mir wurde bewusst, dass diese Reise weder Rückfahrticket noch Ablaufdatum hatte.
Aber was ist mit Günter?
Ab und zu kam ich an meinem anfänglichen Zielbahnhof an und besuchte Günter, der nach wie vor damit beschäftigt war Cocktails zu trinken. Mir war klar, dass mein Leben tausend Mal besser war, seitdem wir getrennte Wege reisten. Schließlich blieb er immer noch an diesem einen Punkt hängen, aber er hatte nichts mehr zu melden. Seine Macht verschwand, weil ich ihn klein hielt. Klein und betrunken an der Hotelbar und mein Platz war schon lange nicht mehr neben ihm.
Was brauchte ich auf der Reise?
Bei dieser so wichtigen Reise, brauchte ich nur ein gutes Umfeld und eine Reiseführung, jedoch keine Reisebegleitung und erst Recht nicht Günter.
Bin zwar ein Dorfkind, aber wer die große weite Welt allein bereisen kann, kriegt das auch in seinem inneren Selbst hin. Denn verantwortlich für unser Leben sind nur wir selbst!
Mein lieber Mann befindet sich glücklicherweise auf der selben Reise. Manchmal gehen wir ein paar Schritte gemeinsam und dann wieder jeder für sich. Im regelmäßigen Austausch lernen auch wir uns noch mal ganz neu kennen. Neu und besser!
Fazit
Die wichtigste Reise beginnt nicht am Flughafen.
Sie beginnt, wenn wir anfangen hinzuschauen und aus unserer Komfortzone ausbrechen. Wenn wir unseren inneren Schweinehund also an der Bar abstellen und ihn dort gut versorgt wissen und ENDLICH unser eigenes Ding machen.
Mehr zum Thema Vertrauen (dem neuen Reisebegleiter) erfährst du in meinem Beitrag: „Vom Manifestieren und dem Vertrauen„
